Klassische journalistische Werte

Journalismus erfüllt in demokratischen Gesellschaften eine besondere Aufgabe. Er informiert, ordnet ein, kontrolliert Macht und macht Zusammenhänge sichtbar. Damit übernimmt journalistische Arbeit Verantwortung – gegenüber der Öffentlichkeit ebenso wie gegenüber den Menschen, über die berichtet wird.

Die folgenden klassischen journalistischen Werte haben sich über Jahrzehnte entwickelt. Sie bilden die Grundlage professioneller journalistischer Arbeit in Redaktionen, im investigativen Journalismus und in der Berichterstattung von öffentlichem Interesse. Sie stehen für ein Selbstverständnis, das auf Unabhängigkeit, Sorgfalt und Transparenz beruht.

Gleichzeitig hat sich die Medienpraxis stark verändert. Journalistische Arbeit bewegt sich heute entlang eines breiten Kontinuums – vom klassischen Nachrichtenjournalismus bis zur unabhängigen, digitalen Berichterstattung, vom Redaktionsbüro bis zur mobilen mobilen Berichterstattung im Feld – auch in Krisen- und Konfliktregionen.
In einer vernetzten Öffentlichkeit sind Vertrauen, Transparenz und Glaubwürdigkeit zu zentralen Währungen geworden.

Der journalistische Auftrag

Journalisten haben die Aufgabe, Ereignisse, Entwicklungen und Zusammenhänge so zu recherchieren, zu prüfen und darzustellen, dass sie zur freien Meinungsbildung beitragen. Sie dienen damit der Öffentlichkeit, nicht privaten, parteilichen oder wirtschaftlichen Interessen.

In demokratischen Gesellschaften ist Journalismus ein Dienst an der Wahrheit, an der Transparenz und an der Kontrolle von Macht.

Dieser Auftrag gilt unabhängig davon, ob jemand für ein großes Medium arbeitet, selbstständig berichtet oder digitale Plattformen nutzt.

Entscheidend ist nicht die Plattform – sondern die Haltung.

Journalistische Sorgfalt

Journalisten handeln nach den Grundsätzen der Wahrheitssuche, Fairness und Verantwortung. Dazu gehören:

    • Sorgfältige Recherche: Informationen werden geprüft, bevor sie veröffentlicht werden.
    • Quellentransparenz: Herkunft und Kontext von Informationen werden kenntlich gemacht, soweit dies die Sicherheit von Informanten erlaubt.
    • Trennung von Meinung und Information: Persönliche Ansichten werden klar von Fakten unterschieden.
    • Schutz der Menschenwürde: Niemand wird diskriminiert oder herabgewürdigt.
    • Berichtigungspflicht: Fehler werden eingestanden und korrigiert.

Diese Prinzipien gelten unabhängig davon, ob jemand als Reporter, Redakteur, Podcaster, Blogger oder Content-Creator arbeitet. Journalistische Sorgfalt ist die Grenze, die Journalismus von bloßer Publikation trennt.

Einordnung klassischer journalistischer Berufsfelder

Journalist (allgemein)

        • Oberbegriff für alle, die journalistisch arbeiten
        • recherchieren, prüfen, schreiben, produzieren, einordnen
        • arbeiten in Redaktionen oder frei, im Hintergrund oder sichtbar

Reporter

        • Journalist vor Ort
        • berichtet unmittelbar vom Geschehen
        • sammelt Eindrücke, Stimmen, Fakten direkt aus der Situation heraus
        • oft live oder tagesaktuell

Redakteur

        • Journalist mit verantwortlicher Auswahl- und Bearbeitungsfunktion
        • entscheidet, welche Inhalte veröffentlicht werden
        • prüft, strukturiert, redigiert Beiträge
        • arbeitet meist in der Redaktion

Korrespondent

        • Reporter oder Journalist mit dauerhaftem Einsatzgebiet
        • berichtet regelmäßig aus einer bestimmten Region oder einem Themenfeld
        • häufig Ausland oder Spezialbereiche

Quellen

Hanitzsch, T. & Vos, T.P. (2018). Journalism beyond democracy: A new look into journalistic roles in political and everyday life. Journalism, 19(2), 146–164.

Kaltenbrunner, A. & Karmasin, M. (2020). Der österreichische Journalismus im Wandel. Wien: Facultas.

Lönnendonker, J. (2021). Medienethik und digitale Öffentlichkeit. Wiesbaden: Springer VS.

Ward, S.J.A. (2021). Ethics and the Media: An Introduction. Cambridge: Cambridge University Press.